Freitag, 15. Oktober 2010

Musandam- ein Wunder der Natur an der Straße von Hormuz

Musamdam im Oman zeigt sich bereits im Flugzeug als ein Wunder der Natur. Wir erkennen die atemberaubende Märchenwelt aus Fjorden und Felsen der Halbinsel. 2.000 Meter hohe, wild zerklüftete oder streng gefaltete Berge des Hajar Gebirge stürzen abrupt ins Meer. Grandiose Küstenformen tauchen aus glasklarem, türkisgrünem Wasser auf. Anfrage Musandam


Hajar Gebirge

Halbinsel Musamdam

Musandam ist eine etwa 1.800 Quadratkilometer große Halbinsel. Sie trennt ein neunzig Kilometer breiter Korridor an der nördlichen Spitze von der arabischen Halbinsel, bekannt als Strasse von Hormuz.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts drängten die mit dem Oman verbündeten Engländer den damaligen Sultan Thuwaini bin Said, sich die arabische Halbinsel anzueignen. 1970, als Sultan Qaboos die Macht übernahm, wurde die Grenze mit den Vereinigten Arabischen Emiraten vertraglich gesichert.

Naturwunder

Bis heute ist Musandam eine der großen, wilden Landschaften dieser Erde, wüst und schroff. Es regnet kaum. Das Geäst von tief eingeschnittenen Fjorden, Sandbuchten und Bergen, deren Kalksteinflanken steil ins Meer abfallen, hat Musandam den Beinamen „Norwegen Arabiens“ eingebracht.

Tagsüber erreicht das Thermometer 40 Grad, nachts nähert es sich dem Gefrierpunkt. Sobald die Sonne hinter den Bergen verschwindet, wird es ungemütlich kalt auf dem Wasser.

Besiedlung von Musandam

2.000 Jahre alte Felszeichnungen mit Tieren, Kriegern und Booten im Dorf Tawi lassen eine lange Besiedlung erkennen.

Militärisches Sperrgebiet

Bis 1992 war die Halbinsel Musandam völlig isoliert und abgeschieden, da militärisches Sperrgebiet. Erst seit wenigen Jahren dürfen Touristen auf dem Luft- und Landweg vom Oman oder den Emiraten nach Musandam einreisen. Bergziegen  passieren ungehindert die Grenze in Tibat. Familien aus Dubai nutzen rege das neue Angebot .

Aus der Industriezone des Emirats Ras al-Khaimah, den Fabriken, Steinbrüchen und den heruntergekommenen Vierteln mit Bretterbuden am Straßenrand kommend, muss ihnen Musandam wie eine andere Welt erscheinen. Ordentlich aufgeräumt, kein Papier, keine Flaschen am Straßenrand. Abfallkörbe säumen die geteerte Küstenstraße hinter der Grenze. Straßenlaternen und zweisprachige Hinweisschilder stehen Spalier. Leitplanken schirmen die Straßenseite zum Meer hin ab. Kleine Sandbuchten liegen vor türkisblauem oder stahlblauem, glasklarem Wasser. Jeder noch so kleine Winkel erscheint aufgeräumt. Es ist wie ein Wunder!

Hajar Gebirge

Hajar Gebirge
Gleich hinter der Tankstelle in Khasab führt ein Weg ins spektakuläre Hajar Gebirge. Es erstreckt sich auf einer Länge von 640 Kilometern parallel zum Golf von Oman. Auf Musandam erreichen die Gipfel mehr als zweitausend Meter. Eine Landschaft von atemberaubender Schönheit.

Die Armee baute 1981 einen Weg über die Berge. Er führt zur Radarstation auf dem höchsten Berg, dem Jebel Harim, bis zum Wadi al-Bih. Auch Telegraphen- und Stromleitungen wurden zu den Häusern gelegt.

Die Serpentinen lassen sich bei anhaltender Trockenheit mit dem Geländewagen relativ einfach befahren. Hinter dem Pass auf etwa 1.600 Meter fällt der Blick in tiefe Schluchten mit steil abfallenden Wänden. Winzige Terrassenfelder auf Bergrücken sind zu entdecken.

Nach etwa sechzig Kilometern auf der Hauptpiste steht ein bewaffneter Militärposten und drückt ankommenden Autofahrern die Hand zum Gruße. Die Weiterfahrt Richtung Dibba durch das Wadi al-Bih und Wadi Khabb Shamshi ist allerdings nur Einheimischen gestattet.

Wadi Khasab

Ein mächtiger Damm schützt Khasab und sperrt die Wassermassen des Wadi Khasab ab. Nachdem ein heftiges Unwetter 1975 das Wadi in einen breiten reißenden Strom verwandelte und die Flutwelle viele Häuser mit sich riss, wurden Dämme auch in den Oberläufen der Seitenwadis gebaut.

Es regnet nicht allzu oft auf Musandam. Wenn es regnet, dann schüttet es. Sturzregen lässt den ausgetrockneten Boden gefährlich werden! Der Boden ist von der Hitze so trocken, dass das Wasser nicht versickern kann. Die Bergbauern stauen diese Wassermassen an und leiten sie auf ihre Felder. Ihr Aflaj-Bewässerungssystem gehört seit 2006 zum UNESCO Weltkulturerbe

Tourismus auf Musamdam
 
Was früher unmöglich war, ist heute Alltag. Musamdam Touren mit Touristen aus den Emiraten, dem Oman und Ausland sind an der Tagesordnung und Einnahmequelle der ansässigen Bevölkerung.

Das Flugzeug ab Muscat landet bereits nach einer Stunde Flug um 10.05 Uhr, so dass ein ganzer Tag zur Verfügung steht. Und die Autos und Busse aus den Emiraten treffen ebenfalls früh ein.

Eine Autofahrt von der omanischen Hauptstadt Muscat nach Khasab kann zwölf Stunden dauern. Dubai liegt nur drei Stunden entfernt.

Das High Speed Boot Shinas benötigt für die 200 Meilen zwischen Muscat and Khasab 6 Stunden. Shinas fährt ab Muscat um 10 Uhr am Samstag, Montag und Mittwoch und verlässt Khasab ebenfalls um 10 Uhr am Sonntag, Dienstag und Freitag.

Dhow Tour

Musamdam Dhow Tour
Jeden Tag starten mehrere zu Ausflugsschiffen umgerüstete Dhows in der kleinen Hafenstadt Khasab mit Tagesbesuchern zur Dhow Tour, zum Schnorcheln Oman und Tauchen Oman sowie zur Delfinbeobachtung. Die Dhaus sind mit Getränken, Obst und Mittagessen voll gepackt, wenn Sie den Kleinen Hafen von Khasab verlassen.

Khor Ash Sham

Mit der Dhow, einem der bunt verzierten hölzernen Frachtschiffe, geht es zuerst in den Meeresarm Khor Ash Sham. Er ist 17 Kilometer tief zwischen den Bergen ins Land "geschnitten". Dann Nach Khor Shimm.

Khor Shimm

Mit sechzehn Kilometern gehört der Khor Shimm zu den längsten Fjorden Musandams. Die kahlen Berge erscheinen wie nach einem Plan geschichtet.

Winzige Dörfer klammern sich in Buchten. Sie sind nur mit dem Boot zu erreichen.

Schulkinder werden täglich von Schnellbooten abgeholt und nach Khasab gebracht. Die omanische Regierung lässt sich ihre Dependance einiges kosten.

Die Passagiere stehen oder sitzen auf dicken Kissen unter dem Sonnensegel, trinken Tee, essen Datteln und Obst oder machen ein Nickerchen.

Größter Frieden scheint über diesem Landstrich zu liegen. Ringsherum herrscht tiefe Stille. Riesige Fischschwärme, bunt oder silbrig im Sonnenlicht glänzend, sind von der Dhow zu sehen.

Hin und wieder tauchen in der Ferne kleine Fischerdörfer auf. Sie schmiegen sich an karge Felsen oder verstecken sich in geschützten Buchten vor dem Wind.

Ein U-Boot in Sicht! Nein, eine Meeresschildkröte rudert durch das glasklare Meer. Fische springen über die spiegelglatte Oberfläche.

Am Ufer stehen Reiher und beobachten ihr Revier. Auf wasserumspülten Felsen lassen Kormorane ihre Flügel trocknen. Hin und wieder klettern mutige Ziegen auf den Felsen.

Delfine

Doch plötzlich wird es laut. Mit Pfeiftönen lockt Mohammed Ba, unser "Delfinflüsterer", seine Freunde an. Die eben noch spiegelglatte Wasseroberfläche öffnet sich. Es spritzt und klatscht. Und es schnattert. Delfineschnellen aus dem Meer empor und tauchen ein paar Meter weiter wieder ein.

Übermütig eskortieren sie die Dhow und begeistern mit Hechtsprüngen. Es macht ihnen sichtlich Spaß, immer eine Nasenlänge voraus schneller, wendiger und geschickter als die bauchige Dhau zu schwimmen.

Immer mehr Delfine machen es ihnen nach, als ob der Auftritt geprobt wäre und einer einstudierten Choreografie folge. Sie kennen ihren Freund Mohammed in der weißen Djellaba seit vielen Jahren.


Die Delfine schnattern durcheinander, machen Klick-Geräusche und scheinen zwischendurch mit ihren langen Schnauzen zu lächeln.

Mohammed versteht sie zwar nicht, aber erfasst offenbar die Stimmung. Er antwortet fast klanggleich: zur Freude der Delfine und Passagiere!

Arabisch, traditionell, authentisch

Die Decksplanken der Dhaus und Ufer der Fjorde spiegeln sich in Kindheitserinnerungen und  Geschichten der Großeltern wider, sogar in den Oman Märchen. "Die Felsplateaus hier sind die Wohnzimmer unserer Väter, wo nur der Wind zu Besuch kam und noch heute die Ruhe regiert", sagt Mohammed Ba.

Ein paar Wochen im Jahr ist eines dieser Plateaus weiträumig abgesperrt und bestens bewacht. Dann steht dort ein großes Zelt. Mitglieder der steinreichen Herrscherfamilie Abu Dhabis kommen jedes Jahr zum Campen nach Musandam. Mit allerhöchstem Komfort und bestem Ausblick und sehr nah an den Ursprüngen, "an einer Schönheit, die anderswo verloren gegangen ist", sagt Mohammed Ba. 

Telegrapheninsel

Baden Musandam
Vor Jazirat al Maqlab, der sogenannten Telegrapheninsel im Khor Shimm, ankert die Dhau. Auf der Insel sind noch Mauerreste zu erkennen.

Als die Briten 1864 begannen, ein Überseekabel von Basra nach Karachi zu verlegen, bauten sie auf der Insel eine Telegraphen-Station. Die höllische Hitze im Sommer und die Abgeschiedenheit machten den Europäern schwer zu schaffen. Nach fünf Jahren wurde die Telegrapheninsel wieder aufgegeben.

Zeit zum Schnorcheln Oman und Baden. Im Korallenriff ringsum tummeln sich zahllose bunte Fische. Seeigel liegen in der Tiefe.

Das glasklare und stark salzhaltige Wasser trägt und mühelos.
Die Skipper bereiten in der Zeit ein schmackhaftes Mittagessen mit mehreren Gängen vor.

Langsam wird es Zeit, nach Khasab zurückzukehren. Am späten Nachmittag herrscht im Hafen von Khasab Betriebsamkeit. An einem Pier werden nach und nach ganze Bootsladungen mit fangfrischem Fisch versteigert. Im Stakkatoton rappelt der Auktionator das Gebot herunter. Männer in knöchellangen weißen Dishdashas, oft ein Palästinensertuch um den Kopf drapiert, haben sich eingefunden. Darunter auch viele Zwischenhändler aus den Emiraten, die den ersteigerten Frischfisch in Kühlwagen laden und am nächsten Morgen auf die dortigen Märkte bringen. In den Emiraten gibt es zu wenig Fischer, die den Bedarf decken könnten.

Schwarzhandel blüht

"Iranischer Hafen" in Khasab
Musandam gilt als Schmuggler-Hochburg. An klaren Tagen erkennt man die iranische Küste in gut 60 Kilometer Entfernung.

Im "iranischen Hafen" in Khasab trifft man
auf viele Iraner. Sie packen eilig ihre Boote und türmen wasserdicht verpackte Pakete auf. Zum Sonnenuntergang müssen die Iraner verschwunden sein. Mit Speadbooten fahren sie mehrmals am Tag den eigenen Hafen der kleinen Hafenstadt Khasab an.

Sie transportieren steuerfreie Waschmaschinen, Fernsehapparate, MP3-Player bis zu teurer Kosmetik am Zoll beider Länder vorbei.

Im Konvoi verlassen sie den Hafen von Khasab. An Bord sind nun Zigaretten statt Ziegen. Die Boote fahren in mehreren Pulks und zum gegenseitigen Schutz über die Straße von Hormuz. Sollte die persische Küstenwache sie erwischen, werden sie in alle Himmelsrichtungen davon jagen zu einsamen Stränden, wo sie von Lastern erwartet werden.

Musandam Tour

Möchten auch Sie eine Musandam Tour ab Muscat unternehmen? Dann klicken Sie jetzt auf den Link.